I.33

[zur Startseite]   quaternum .i. .ii. .iii. .iv.

9r (17)

(+) N otandum quod hic docetur qumodo debeat secunda custodia obside & dico secunda custodia quia tertia custodia non multum differt a secunda que habetur in humero d sinistro sed hic loquimur de secunda custodia que datur humero dextro Et de eadem custodia obsessessor ducit obsessionem que vocatur schutzen quare quelibet custodia tenet vnam proteccionem i. schutzen

Hic ponit se simili modo sacerdos ad scolarem et docet quid ex hijs fiat & sciendum quod salua doctrina sacerdotis qui prius fuit obsessorus potest tria facere Primo potest exprimere gladium deorsum & tunc durchtreten Secundo potest recipere plagam latere dextro Tertio potest recipere plagam latere sinistro Nota quod hoc idem potest facere aduersarius licet obsessessor ad hoc prius sit paratus

(#9) Es ist zu sehen, dass hier gelehrt wird, auf welche Weise die zweiten Hut versetzt werden kann, und ich sage die zweite Hut, weil sich die dritte Hut, die in der linken Schulter gehalten wird, nicht sehr unterscheidet von der zweiten. Aber hier sprechen wir von der zweiten Hut, die der rechten Schulter zugeteilt ist. Und von derselben Hut führt der Versetzer den Versatz, der Schützen genannt wird, weil jede beliebige Hut einen Schutz hat (d.h.: Schützen)

Hier plaziert sich der Priester auf ähnliche Weise zum Schüler und lehrt, was aus diesen Dingen entsteht, und man muss wissen, dass (nach zuverlässigen der Lehre des Priesters) der, der zuerst Versetzer war, drei Dinge tun kann: Erstens, er kann das Schwert nach unten hinausdrücken und dann Durchtreten. Zweitens, er kann einen Schlag auf die rechte Seite ausführen. Drittens, er kann einen Schlag auf die linke Seite ausführen. Bemerke, dass der Gegner dasselbe tun kann, obwohl der Versetzer als erster dazu bereit ist.

recipere plagam: einen Schlag ausführen (nicht: einstecken). Vermutlich zu verstehen als: 'Gelegenheit zu einem Schlag erhalten'.
"Schützen" sieht aus wie Halbschild, aber etwas höher, und der Schild wird hinter das Schwert gehalten (vgl Zusatz zu fol.
2r.


9v (18)

Hic scolaris instructus mediante consilio sacerdotis ducit actum quemdam qui nuncupatur durchtritt posset tamen recipisse plagam tam sinistram que ducitur ex parte dimicatorum generalium quam dexteram que consueuit duci ex parte sacerdotis & suorum iuuenium Contrarium illarum duarum viarum erit sacerdotis euntis cum gladio sub brachio* qui tunc attingit manus nudas ducentis plagas supradictas Licet contrarium istud non sit depictum in exemplum ymaginum

Nota quod sacerdos defndit hic actum superius dictum quia cum scolaris vero esset in actu itineris sacerdos religando atque subpremendo gladium scolaris ligatum demonstrat vt hic patet per exemplum Preterea quid sacerdotem ex hijs facere contingat si diligenter inspexeris poteris edoceri & cetera

Hier führt der Schüler, nach Anleitung des Priesters, eine Aktion aus, die Durchtritt genannt wird. Er könnte so Gelegenheit zu einem Schlag zur Linken erhalten, wie es von gemeinen Fechtern gemacht wird, oder zur Rechten, wie es vom Priester und seinen Jungen gemacht wird. Um diese zwei Möglichkeiten zu kontern, wird Priester, mit dem Schwert unter dem Arm, die blossen Hände dessen, der die obengenannten Schläge führt, erreichen. Allerdings ist dieser Konter nicht als Beispiel-Bild abgebildet.

Merke, dass der Priester die oben ausgeführte Aktion abwehrt, während der Schüler noch unterwegs ist. Der Priester zeigt, indem er anbindet und dann hinunterdrückt, wie hier im Beispiel erscheint. Nachher wird klar, was der Priester weiter daraus macht, wenn du aufmerksam hinschaust usw.

Seitenwechsel im oberen Bild.

Durchtritt: gemeint sein muss ein Schritt zur Seite; erwarten würde man für die abgebildete, vorzuziehnde Aktion 'Schlag zur Linken', aber vielleicht ist dexteram aus der Sicht des (getroffenen) Priesters gemeint.


10r (19)

Hic vero cum esset sacerdos in actu superius ligandi informat scolarem quid sit faciendum aduersus hec videlicet stichslac quod generaliter ducere consueuit Patet hic per exemplum

(+) H vmero dextrali datur altera i. custodia & nota quod tam rector custodie quam obsessor eiusdem sunt in eodem actu vt supra exemplo proximo

Hier allerdings, wie der Priester dabei ist, oben zu binden, belehrt er den Schüler, was dagegen zu machen ist, nämlich ein Stichschlag, was er normalerweise auszuführen rät; hier gezeigt im Beispiel.

(#10) "Der rechten Schulter ist die zweite gegeben", d. h. die zweite Hut. Und merke, dass sowohl der, der die Hut ausführt, als auch der, der sie versetzt, in derselben Stellung sind, wie oben im vorigen Beispiel [fol. 9r].


10v (20)

Hic sacerdos obmisit omnes actus tam ligandi quam religandi & hoc in exemplum suorum scolarium vt possint dischere quid sit faciendum scolaris vero inuadendo eum & ducit illum actum qui ponitur hic in exemplum

(+) Eadem custodia & alia vero obsessio & est illa que appellatur halpschilt prius tacta contra primam custodiam videlicet sub brachio

Hier vermeidet der Priester jegliches Anbinden oder angebunden zu werden, und zwar als Beispiel für seine Schüler, damit diese lernen können, was man tun soll; der Schüler allerdings greift ihn an und führt die Aktion aus, die hier als Beispiel gezeigt wird.

(#11) Dieselbe Hut, aber mit einem anderen Versatz, und es ist derjenige, der Halbschild genannt wird, die zuerst behandelt wurde [als Versatz] gegen die erste Hut, nämlich die unter dem Arm.


11r (21)

N ota quod multi generales dimicatores seducuntur ista obsessione hic posita qui credunt ?fiere posse separacionem scuti & gladij mediante plaga illa que ducitur hic quod secus est quare obsessor non facit moram aliquam per quam possit periclitari sed illa hic ducta depicta est in exemplum omnibus volentibus vti consilio sacerdotis

H ic vero cum sacerdos esset in actu ducendi plagam superiorem docet scolarem vertere scutum & gladium intrando cum gladio vt hic quod is qui existens adversarius plagam ducere nequiuit ad effectum

Merke, dass viele gemeine Fechter durch diesen Versatz [Halbschild] verführt werden, die hier gezeigt ist: Sie glauben, sie könnten eine Trennung von Schwert und Schild herbeiführen, mittels des Schlages, der hier ausgeführt wird. Das ist aber nicht so, weil der Versetzer nicht zögert, was ihn gefährden könnte, sondern diese ausgeführte [Trennung] ist hier abgebildet als Beispiel für alle, die aus dem Rat des Priesters Nutzen ziehen wollen.

Hier ist der Priester doch im Begriff, obigen Schlag auszuführen; er lehrt den Schüler, Schwert und Schild zu drehen und mit dem Schwert anzugreifen wie hier, wodurch der Gegner den Schlag nicht zur Wirkung bringen kann.


11v (22)

(+) H ic resumit sacerdos custodiam primam videlicet sub brachio obmissis quibusdam prius non positis vt patet infra per exemplum

Posset quis dubitare quomodo scolaris inuaderet sacerdotem & sciendum quod sacerdos latitando obmittit omnes suas defensiones informando scolarem qui sicut stst non variando scutum nec gladium magis appropinquat i. paulo plus recipiendo plagam vt hic patet per ymagines

(#12) Hier nimmt der Priester die erste Hut wieder ein, nämlich die unter dem Arm, einiges wurde ausgelassen, das vorher nicht gesetzt wurde, wie unten im Beispiel gezeigt.

Man könnte sich fragen, wie der Schüler den Priester angreifen soll. Und man muss wissen, dass der Priester durch Verzögerung alle Abwehr unterlässt, um den Schüler zu lehren, der, so wie er steht, ohne Schwert oder Schild zu bewegen, sich sehr annähert. D. h., wenig später bekommt er Gelegenheit zu einem Schlag, wie hier in den Bildern gezeigt.

Seitenwechsel im unteren Bild. Der Priester reagiert nicht, und der Schüler kann direkt aus Halbschild einen Schlag plazieren.


12r (23)

(+) H ic ducetur tertia custodia que per scolarem obsessa est vt hic cuius obsessionis contrarium erit ligacio & dico ligacio quare sola superior & non alia vt infra proximo exemplo

Hic ligat sacerdos quod est melius & vtilius quare si quid aliud faceret quominus gladius aduersarii occuparetur in dampnum suum redundaret

(#13) Hier nimmt der Priester die dritte Hut ein, die vom Schüler versetzt wird wie hier. Der Konter dieses Versatzes wird eine Anbindung sein, und ich sage Anbindung weil nur oben & nicht anders, wie unten im nächsten Beispiel.

Hier bindet der Priester an, was besser und nützlicher ist, weil, wenn er etwas anderes machte, das das Schwert des Gegners weniger beschäftigte, das zu seinem Schaden geführt hätte.

dampnum für damnum


12v (24)

Ex illa ligacione superius proxime tacta docet sacerdos clientulum suum circumdatis brachijs adversarij recipere gladium & scutum vt hic patet

(+) Custodia tertia ducetur hic vt prius & eadem obsessio licet varietur ludus

Ausgehend von dieser oben gerade behandelten Anbindung lehrt der Priester sein Schülerchen, mit den Armen des Gegners Schwert und Schild zu umfassen, wie hier gezeigt.

(#14) Hier wird die dritte Hut geführt wie vorher, und derselbe Versatz, aber das Spiel wird variiert.


13r (25)

Hic docet sacerdos clientulum suum qui ducit obsessionem & docet eum intrare si obmittuntur ligaciones

(+) Eadem custodia tertia videlicet in humero sinistro & est eadem obsessio que vocatur halpschilt vt supra

Hier lehrt der Priester sein Schülerchen, das einen Versatz ausführt [zu seiner dritten Hut]; und zwar lehrt er's, einzutreten, falls die Anbindungen unterbleiben.

(#15) Dieselbe dritte Hut, nämlich auf der linken Schulter, und derselbe Versatz, der Halbschild genannt wird, wie oben.


13v (26)

Nota quod omnes actus custodie prime videlicet sub brachio habuntur his vsque ad proximum signum crucis

Merke, dass alle Aktionen mit der ersten Hut, nämlich unter dem Arm, zu tun haben, von hier bis zum nächsten Kreuzzeichen.

Gemeint sind drei Abbildungen. Seitenwechsel zum zweiten und nochmal zum dritten.


14r (27)

(+) Hic resumitur eadem tertia custodia cuius obsessio erit langort quam omnes ducunt generales dimicatores et cuius obsessionis contraria sunt due ligaciones quarum vna est in dexteris super gladium reliqua vero in sinistra

(#16) Hier wird die dritte Hut wieder aufgenommen, deren Versatz der Langort sein wird, den alle gemeinen Fechter ausführen, und die Konter dieses Versatzes sind zwei Anbindungen, deren eine ist rechts über dem Schwert, die andere ist links.

Der Text bezieht sich auf das untere Bild. Langort als Versatz mit waagrechtem Schwert (vgl. 6v).


14v (28)

Versus: Ligans ligati contrarij sunt & irati ligatus fugit ad partes laterum peto sequi

(+) Postquam determinatum est de tertia custodia hic determinat de quarta cuius obsessio erit halpschilt que omnia prius habuisti invenies hic vsque ad proximum signum crucis

Vers: "Binder und Gebundener sind feindlich und erzürnt; der Gebundene will zur Seite fliehen, ich versuche zu folgen."

(#17) Nachdem die dritte Hut fertig behandelt wurde, wird hier die vierte Hut behandelt, deren Versatz der Halbschild sein wird, und alles, was du vorher hattest, findest du hier bis zum nächsten Kreuzzeichen.


15r (29)

(+) H ic sacerdos resumit quartam custodiam cuius custodie quarta erit obsessio custodia prima & hoc in exemplum suorum scolarium vt hic patet per exemplum

P ostquam scolaris superius obsedit sacerdotem hic iterum ipse obsedit eum & hoc sub brachium & notandum quod omnia ista tanguntur in prima custodia videlicet sub brachium vsque ad proximam signum crucis

(#18) Hier nimmt der Priester die vierte Hut wieder ein; der Versatz dieser vierten Hut wird die erste Hut sein, und das nach dem Vorbild des Schülers, wie hier im Beispiel gezeigt.

Nachdem der Schüler oben den Priester versetzt hat, versetzt er ihn hier erneut, und das unter dem Arm, und es ist zu sehen, dass all das unter der ersten Hut, nämlich der unter dem Arm, behandelt wurde, bis zum nächsten Kreuzzeichen.

Seitenwechsel im unteren Bild.


15v (30)

[Wenn Halbschild geführt wird, falle unter Schwert und auch Schild]

Seitenwechsel im unteren Bild. Der Priester hat oben das rechte Bein vorne und unten das linke; der Schüler zweimal das linke.


16r (31)

(+) H ic resumitur custodia prima videlicet sub brachio cuius obsessio erit langort & est generalis & modicum valens & nota quod regens custodiam tria habet facere Primo potest ligare in dextris super gladium Secundo potest ligare in sinistris sub gladio Tertio potest comprehendere gladium manu vt infra patet exemplo proximo

(#19) Hier wird die erste Hut wieder eingenommen, nämlich die unter dem Arm, deren Versatz der Langort sein wird, und sie ist gewöhnlich und recht gemässigt, und merke, dass der, der die Hut führt, drei Möglichkeiten hat: Erstens kann er rechts über dem Schwert anbinden. Zweitens kann er links unter dem Schwert anbinden. Drittens kann er das Schwert mit der Hand ergreifen, wie unten im nächsten Beispiel gezeigt.

Der Text bezieht sich auf das untere Bild; vgl. 6v.


16v (32)

H ic sacerdos deprehendit siue docet deprehendere gladium obsedentis & nota quod gladius ipsius obsedentis non potest absolui nisi mediante schiltslac vbi sacerdotis manus percutiet cum scuto vt infra exemplo proximo

H ic relevatur gladius scolaris mediante schiltslac et caueat sacerdos ne scolaris ducet plagam capiti siue fixuram generalem quam sacerdos consueuit docere discipulos suos Preterea scias quod si scolaris dat plagam capiti protectionem duc gladio connexque scuto quod habetur in sinistra manu & sic frangis scutum de manibus tui aduersarij vt patet infra proximo exemplo

Hier ergreift - bzw. lehrt zu ergreifen - der Priester das Schwert des Gegners. Und merke, dass das Schwert dieses Gegners nicht befreit werden kann, ausser mit einem Schildschlag, wo die Hand des Priesters mit dem Schild geschlagen wird, wie unten im nächsten Beispiel.

Hier wird das Schwert des Schülers mit einem Schildschlag befreit. Und der Priester muss aufpassen, dass der Schüler nicht einen Schlag zum Kopf ausführt, oder einen allgemeinen Stich, was der Priester seine Schülern zu lehren pflegt. Ausserdem sollst du wissen, dass wenn der Schüler einen Schlag zum Kopf macht, führe einen Schutz aus, mit dem Schwert zusammen mit dem Schild in der linken Hand, und so schlägst du deinem Gegner den Schild aus den Händen, wie unten im nächsten Beispiel gezeigt.



dab 2003.