I.33

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25r (49)

N otandum quod scolaris ducit hic plagam generalem quam consueuerunt ducere omnes generales dimicatores ex supradictis proxime tactis videlicet quando ligans & ligatus sunt in lite tunc ligans qui est superior vadit post caput & obmittit schiltslac mediante quo subsequitur plaga sacerdos vero intrat ut hic

(+) N ota quod resumitur hic specificata custodia sacerdotis apellata Langort sed est valde aliena obsessio hic depicta & valde rara & sciendum quod omnia ista reducuntur ad custodiam primam et ad obsessionem que dicitur halpschilt & cetera

Es ist zu sehen, dass der Schüler hier einen allgemeinen Schlag ausführt, den alle gemeinen Fechter auszuführen pflegen in der Situation, die eben besprochen wurde, nämlich, wenn der Binder und der Gebundene im Zwist sind, und der Binder, der oben ist, zum Kopf geht und einen Schildschlag unterlässt, woraus ein Schlag folgt und der Priester eintritt, wie hier.

(#31) Merke, dass hier wieder die Spezial-Hut des Priesters eingenommen wird, die Langort genannt wird, aber ein völlig anderer und sehr seltener Versatz ist hier abgebildet. Und man muss wissen, dass all das auf die erste Hut zurückgeführt werden kann, und auf den Versatz, der Halbschild genannt wird, usw.

Falls das obere Bild noch zur vorangehenden Passage gehört, wurde wieder die Seite gewechselt.

Die "aliena & valde rara obsessio" sieht aus wie etwas zwischen Halbschild und "Fiedelbogen". Tatsächlich wird hier angetönt, dass die "Spezial-Hut" und der "seltene Versatz" vergleichbar sind mit erster Hut und Halbschild; vgl. Anm. zu fol. 23v.


25v (50)

H ic sacerdos ducit quandam fixuram prius tactam quia scolaris qui fuerat obsessor supra exemplo proximo obmittit omnes suos actos quia si religasset fuisset subportatus vt patet infra exemplo proximo

N otandum quod ex hiis ista fixura superius tacta per sacerdotem erit hic quedam religacio facta per scolarem quod oportet de necessitate si volumus quod defendatur fixura superius depicta

Hier führt der Priester den oben behandelten Stich aus, weil der Schüler, der oben im letzten Beispiel versetzt hat, alle Aktionen unterlässt, weil, wenn er angebunden hätte, wäre er ?unter-gebunden worden, wie unten im nächsten Beispiel.

Es ist zu sehen, dass aus diesen Aktionen diesem oben erwähnten Stich des Priesters hier der Schüler anbinden wird, was zwingend nötig ist, wenn wir wollen, dass der oben abgebildete Stich abgewehrt wird.


26r (51)

L igans ligati contrarij sunt & irati ligatus fugit ad partes laterum peto sequi

(+) H ic tertia custodia obsessa est cum specificata custodia sacerdotis que nuncupatur langort et consulo bona fide quod is qui regit tertiam custodiam non protrahat suos actus alioquin is qui regit obsessionem sacerdotis intrat cum fixura quod est in communi vsu sacerdotis

"Der Binder und der Gebundene sind gegnerisch und erzürnt / der Gebundene flieht zur Seite, ich versuche zu folgen"

(#32) Hier wird die dritte Hut versetzt mit der Spezial-Hut des Priesters, die Langort genannt wird, und ich rate in guter Treu, dass der, der die dritte Hut führt, seine Aktionen nicht hinauszögere, weil sonst der, der den Versatz des Priesters führt eintritt mit einem Stich, was der normalen Gewohnheit des Priesters entspricht.

Von hier an wird der "Spezial-Langort" vom Schüler geführt.


26v (52)

P ostquam sacerdos superius obsessus fuit hic scolaris schutzet sacerdos vero ducit quandam religacionem vt hic patet

(+) H ic resumitur quarta custodia que est obsessa cum specificata custodia sacerdotis Sacerdotis est econtra obsidere aliquin scolaris intrat vt prius & veniunt omnes actus quos prius habuisti

Nachdem der Priester vorher versetzt wurde, schützt hier der Schüler, und der Priester bindet hier an, wie gezeigt.

(#33) Hier wird die vierte Hut wieder eingenommen, und wird versetzt mit der Spezial-Hut des Priesters. Es ist nun am Priester, zu versetzen, und der Schüler tritt ein wie vorher, und es kommen alle Aktionen, die du schon vorher hattest.

Seitenwechsel im oberen Bild.


27r (53)

(+) H ic iterum sumitur quinta custodia que etiam obsessa est cum specificata custodia sacerdotis que dicitur langort vt patet hic per exemplum

Ligans ligati contrarij sunt & irati ligatus fugit ad partes laterum peto sequi

(#34) Hier wird wieder die fünfte Hut eingenommen, die dann mit der speziellen Hut des Priesters versetzt wird, die Langort genannt wird, wie hier im Beispiel gezeigt.

Binder und Gebundener sind feindlich und erzürnt. Der Gebundene flieht zur Seite, ich versuche zu folgen.


27v (54)

(+) H ic obsedetur quinta custodia cuius obsessio erit halbschilt & nota regens custodiam solum habet due facere primo potest ducere fixuram secundo potest ducere plagam diuidendo scutum & gladium

S uperius scolaris obsessessus est hic vero recipit fixuram vt patet per exemplum

(#35) Hier wird die fünfte Hut versetzt, deren Versatz Halbschild sein wird. Und merke, dass der, der die Hut einnimmt nur zwei Dinge tun kann: Erstens kann er einen Stich ausführen, zweitens kann er einen Schlag zur Trennung von Schwert und Schild ausführen.

Oben war es der Schüler, der versetzt wurde. Und wirklich führt er hier einen Stich aus, wie im Beispiel gezeigt.


28r (55)

P ost fixuram superius ductam per scolarem hic sacerdos defendendo schutzet & recipit plagam hoc est generalis regula in arte sacerdotis

(+) H ic iterum resumitur quinta custodia cuius contraria erit halpschilt vt patet per exemplum

N ota quod quandocumque ducetur halpschilt contra illam quintam custodiam dividendo scutum & gladium cum plaga vnde consulo quod quandocumque ducis illam obsessionem videlicet halpschilt intras cum fixura sine misericordia

Nach dem oben vom Schüler ausgeführten Stich schützt hier der Priester verteidigend und kommt zum Schlag. Das ist eine allgemeine Regel in der Kunst des Priesters.

(#36) Hier wird wieder die fünfte Hut wiederaufgenommen, deren Konter Halbschild sein wird, wie hier im Beispiel gezeigt.

Bemerke, dass wenn immer Halbschild gegen diese fünfte Hut geführt wird - oder gegen die zweite Hut - dann ist immer ein Schlag von Seiten desjenigen, der die Hut führt zu befürchten, der durch den Schlag Schwert und Schild trennen könnte. Daher der Rat, dass immer, wenn du diesen Versatz führst, nämlich Halbschild, du ohne Gnade mit einem Stich eintrittst.

Seitenwechsel im oberen Bild.


28v (56)

H ic scolaris ducit stich, quare sacerdos obmittit suam defensionem vt patet hic per exemplum

H ic sacerdos defendit illum actum superius ductum vt patet hic per sacerdotem

Hier führt der Schüler einen Stich aus, weil der Priester seine Abwehr unterlässt, wie hier im Beispiel gezeigt.

Hier [hingegen] wehrt der Priester die oben ausgeführte Aktion ab, wie hier vom Priester gezeigt.


29r (57)

Prius quam superius in tertio exemplo ymaginarum fixura quedam ducta est per scolarem eandem vero fixuram sacerdos hic defendit recipiendo schilslac schiltslac ut patet hic per exemplum

(+) Hic iterum se resumitur quinta custodia de qua superius dictum est sepius & est notandum quod sacerdos obsedit scolarem obsessione quandam rara & valde bona in exemplum suorum discipulorum & sciatur quod si scolaris ducet fixuram que duci consueuit de consuetudine sacerdos debet etiam ducere fixuram contra fixuram scolaris quia sua magis valet intrando cum sinistro pede si autem intrare nequiuerit cedat cum dextro pede nichillominus non obmittatur quin etiam ipsa fixura perficiatur si autem scolaris obsedit eum econtrario mediante halpscilt sacerdos cadet sub gladio & scutum & tunc superueniunt ea que prius visa sunt in custodia prima Vnde versus Dum ducitur halpscilt cade sub gladium quoque scutum

Zuerst wird wie oben im dritten Bilder-Beispiel derselbe Stich von Schüler ausgeführt, welchselbigen Stich der Priester hier abwehrt, indem er einen Schildschlag ausführt, wie hier im Beispiel gezeigt.

(#37) Hier wird wieder die fünfte Hut eingenommen, von der oben oft die Rede war, und es ist zu sehen, dass der der Priester den Schüler versetzt mit einem Versatz der selten ist, und sehr gut, als Beispiel für seine Schüler. Und man muss wissen, dass wenn der Priester den Stich ausführt, der gewöhnlich aus Gewohnheit ausgeführt wird, dann muss er auch einen Stich gegen den Stich des Schüler ausführen, weil seiner mehr wirkt, wenn er mit dem linken Fuss vorantritt. Wenn er aber nicht eintreten will, soll er trotzdem mit dem rechten Fuss zurückweichen und diesen selben Stich nicht unterlassen. Wenn aber der Schüler ihn mittels Halbschild versetzt, soll der Priester unter Schwert und Schild fallen, und dann kommen die Dinge, die vorher bei der ersten Hut gesehen wurden. Daher der Vers, wenn Halbschild geführt wird, falle unter Schwert und auch Schild.

Seitenwechsel im oberen Bild.

Diese "obsessio rara & valde bona" ähnelt der fünften Hut, aber das Schwert wird nicht nach hinten gehalten, sondern auf Höhe des Oberschenkels.


29v (58)

Hic scolaris perfecit suam fixuram sacerdos vero obmittit omnes suos actus

Hic nota quod sacerdos defendit hic fixuram scolaris

Hier vollendet der Schüler seinen Stich, denn der Priester unterlässt jegliche Aktion.

Merke hier, dass der Priester den Stich des Schülers abwehrt.


30r (59)

(+) Notandum quod hic resumitur quarta custodia cuius quarte custodie obsessio est specificatum langcort sacerdotis videat autem obsessor ne regens custodiam ducet aliquam plagam quia periculosum erit sic diu latiare vnde ducat primo schuzin demum fixuram non obmittat

Hic sacerdos econtrario obsedit scolarem quod puto melius esse quod potest ab aliquo edoceri quia si hoc non fiet scolaris ipsum invaderit cum fixura quod nunc suus erit sed ex hiis oritur ludus prime custodie videlicet ligantis & ligati quod patet infra in exemplo proximo

(#38) Es ist zu sehen, dass hier die vierte Hut wieder eingenommen wird, und der Versatz dieser vierten Hut ist der Spezial-Langort des Priesters. Der Versetzer soll aber aufpassen, dass der, der die Hut führt keinen Schlag führe, weil es gefährlich wäre, lange zu zögern; daher soll er schützen, und es schliesslich nicht unterlassen, zuzustechen.

Hier hingegen versetzt der Priester den Schüler, was ich für besser halte, und was man von Jedem lernen kann, weil, wenn er das nicht täte, der Schüler auf ihn einträte mit einem Stich, zu dem er jetzt käme. Aber aus diesen Aktionen folgt das Spiel der ersten Hut, nämlich des Binders und des Gebundenen, wie unten im nächsten Beispiel gezeigt.


30v (60)

Hic erunt ligaciones que superius tacte sunt sepius vnde versus ligans ligati contraria sunt & irati & cetera

Ex illis ligacionibus superius ductis scolaris ducit illam plagam per caput ducendo gladium [median]te schiltslac

Hier werden die Anbindungen sein, die oben oft behandelt werden, daher der Vers "der Binder und der Gebundene sind gegnerisch und erzürnt" usw.

Aus diesen oben ausgeführten Anbindungen führt der Schüler diesen Schlag indem er das Schwert zum Kopf führt mit einem Schildschlag.

Seitenwechsel im unteren Bild.


31r (61)

N otandum quod plagam superius ductam per scolare sacerdos defendit hic in hunc modum quia scolaris gladius fuit inferior & cum esset in actu ducendi plagam ducendo gladium seorsum sacerdos vero antequam scolaris ducat gladium suum ad usum debitum recipit plagam vt patet hic per exemplum

(+) H ic iterum resumitur quarta custodia cuius custodie obsessio erit specificatum langort sacerdotis & notandum quod quandocunque sic se habet ludus ut hic tunc consulo tam regenti custodiam quam obsedenti eam ne quisquam eorum protrahendo obmittat quod suum est videlicet ex parte regentis custodiam obsessio & ex parte obsidentis fixura

Es ist zu sehen, dass der Priester den oben vom Schüler ausgeführten Schlag abwehrt auf diese Weise, weil das Schwert des Schülers unten war, und als er im Begriff war, den Schlag auszuführen, und sein Schwert weg führte, kommt der Priester zum Schlag, bevor der Schüler sein Schwert seiner Bestimmung zuführen kann, wie hier im Beispiel gezeigt. [d. h.: der Schüler holt zu weit aus und wird vom Priester getroffen.]

(#39) Hier wird wieder die vierte Hut eingenommen, deren Versatz der Spezial-Langort des Priester sein wird. Und es ist zu bemerken, dass wann immer das Spiel so steht wie hier, dann rate ich, dass der, der die Hut führt, und auch der, der ihn versetzt, dass keiner von ihnen verzögert, was sie tun müssen, nämlich auf Seiten dessen, der die Hut führt ein Versatz, und auf Seiten des Versetzers ein Stich.


31v (62)

S uperius dictum est tam de eo qui regit custodiam quam de eo qui eam pobssedit & quia prior erit scolaris qui superius fuerat obsessessor ducit quod suum est videlicet primo schuzin ut hic & infra exemplo proximo fixuram quia sacerdos omnes suos actus obmittit vnde qui prior vadit prior erit ad faciendum dampnum suo aduersario

P ost quam determinatum est superius de actibus scolaris & de obmissione actuum sacerdotis hic iterum sacerdos obmittit quod suum est donec scolaris suam perducit adessentem intracionem ut patet hic

Oben wurde sowohl von dem, der die Hut ausführt gesprochen, als auch von dem, der ihn versetzt, und weil der Schüler, der oben der Versetzer war, schneller sein wird, führt er aus, was er tun soll, nämlich zuerst Schützen, wie hier, und im nächsten Beispiel unten ein Stich, weil der Priester alle Aktionen unterlässt. Deshalb wird der, der zuerst geht, seinem Gegner auch zuerst Schaden zufügen.

Nachdem oben die Aktionen des Schülers und die Unterlassung von Aktionen des Priesters behandelt wurden, unterlässt hier der Priester, was er tun sollte, und so führt der Schüler den naheliegenden Angriff aus, wie hier gezeigt.

dampnum für damnum


32r (63)

(+) N otandum est quod hic resumitur custodia prima videlicet sub brachio cuius obsessio est specificata custodia secunda sacerdotis locata in humero dextro & nota quod regentis custodiam statim erit schuzin nulla mora interposita alioquin ex parte adversarij ducetur halbschilt quod erit regenti custodiam valde perniciosum & ex hiis generantur omnia que habuntur de prima custodia de quibus habetur in primo quaterno

H ic sacerdos qui regebat custodiam ducit schutzin quod erit proptereo quia prior erit paratus & est bene[?] consulendum quod obsidens statim ligat super gladium ipsius regentis custodiam quod hic obmittitur ut patet per exemplum

(#40) Es ist zu sehen, dass hier die erste Hut wieder eingenommen wird, nämlich unter dem Arm, deren Versatz ist die spezielle zweite Hut des Priesters auf der rechten Schulter, und beachte, dass der, der die Hut führt, sofort schützen wird, ohne Verzögerung, sonst wird vom Gegner Halbschild ausgeführt, was dem, der die Hut führt sehr verderblich sein wird. Und von hier aus entstehen alle die Dinge, die mit der ersten Hut zu tun haben, um die es im ersten Heft geht.

Der Priester, der die Hut ausführte, führt hier Schützen, was deswegen sein wird, weil er als erster bereit sein wird. Und es ist gut beraten, dass der Versetzer sofort anbindet über dem Schwert dessen, der die Hut ausführt, was hier ausgelassen wird, wie im Beispiel gezeigt.

Walpurgis verharrt in der "speziellen zweiten Hut", d. h. das Schwert auf der rechten Schulter, aber ohne auszuholen wie bei der "regulären" zweiten Hut. Eine Hypothese (Wagner & Hand), warum auf den letzten zwei Seiten eine Frau abgebildet ist, geht dahin, dass diese Hut auch "Frauen-Hut" genannt worden sein könnte (wie in späteren Fechtsystemen Positionen, die absichtlich Schwäche vortäuschen).


32v (64)

H ic e[runt] ligationes superius & inferiores que [?sepius] ducte sun[t] [...] Vnde versus Ligans ligati & ce[tera]

E x hiis super[ioribus] allegacionibus sacerdos walpurgis recipit schiltslac quia erat superior & prius parata

Hier werden die Bindungen oben und unten sein, wie sie oft geführt werden, daher der Vers "Binder und Gebundener" usw.

Aus diesen obigen Bindungen führt (der Priester) Walpurgis einen Schildschlag aus, weil sie höher war, und zuerst bereit.


Zur Benennung der Kämpferin: der Name walprgis wurde direkt über das Wort sac'dos geschrieben (unter dem 5 Punkte eine Linie bilden), soweit ich sehen kann von derselben Hand. Wahrscheinlich soll also Walpurgis die Verschreibung sacerdos ersetzen. Damit stimmt überein, dass im Bild die Frau den Schildschlag ausführt. Damit ist Walpurgis die Nennform (und nicht der Genitiv von Walpurga).


dab 2003.